MARTIN RICHARD KRISTEK, Geschäftsführer des Energieversorgers Care Energy, will mit seinem Unternehmen Strom verbrauchsnah produzieren.

Martin Richard Kristek ist ein Unternehmer mit vielen kreativen Ideen.

Wenn man Marc März, den neuen Leiter der „Public Affairs“ im Unternehmen mk-Group, über seinen Chef sprechen lässt, fallen ihm eine Menge bemerkenswerter Adjektive ein. Eine kleine Auswahl: starke Ausstrahlung, nimmt seine Mitarbeiter mit, ist ein integrativer, sozialer Typ mit vielen Ideen. Klar, denkt man, wie soll der Kollege auch sonst über seinen neuen Boss reden. Doch es spricht vieles dafür, dass Martin Richard Kristek, 40, tatsächlich diese Eigenschaften besitzt. Eindrucksvoll ist jedenfalls, wie der Energiewirtschaftler insbesondere mit seiner Kernmarke „Care Energy“ seine Einfälle umsetzt.

In gerade einmal zehn Monaten hat er einen Außendienst mit 1700 Mitarbeitern aufgebaut, die in so kurzer Zeit bereits 50 000 Kunden betreuen. Er bietet etwa Privatkunden für 19,9 Cent pro Kilowattstunde Ökostrom an, so günstig wie keine andere Firma. Und um seine Version vom enormen Potenzial der erneuerbaren Energien weiter voranzubringen, bietet er nicht nur Firmen, sondern nach Möglichkeit auch privaten Haushalten teilweise Solaranlagen oder Blockheizkraftwerke an – für den Kunden kostenfrei. Kristek will auf diese Weise die Voraussetzungen einer dezentralen Energie-Versorgung fördern.

Die individuellen Lösungen, welche die Übertragungsnetze weit weniger belasten, bringen nach seiner Ansicht mehr als das bislang von der Politik forcierte Denken in Netzstrukturen. Care Energy will den Strom verbrauchsnah produzieren. Die Politik könne nur Impulse setzen, wichtiger sei aber auf Dauer, „dass Unternehmen und Bürger ethisch und umweltverträglich handeln“. Das sei eine Geisteshaltung, die aus der Debatte über Nachhaltigkeit und Wertevermittlung entstehe.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in Kristeks Firma ist, dass man ohne jedes Fremdkapital auskommt. „Auf diese Weise bleibt der unternehmerische Spielraum für neue Ideen wirklich uneingeschränkt“, sagt der mk-Group-Chef. Und das ist besonders wichtig für Martin Richard Kristek, der sich schon von Kindesbeinen an für Energie und Umwelt interessiert hat. Inzwischen ist er längst zum energiepolitischen Visionär geworden. Vor sieben Jahren betankte er seinen BMW mit Rapsöl. Die künftige Antriebsart für Autos werde, jedenfalls in den Ballungszentren, mit Strom geschehen, meint er. Er selbst fährt jetzt in der Stadt am liebsten mit einem Elektro-Roller oder mit einem Elektro-Auto, das er im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit Schweden selbst entwickelt und gefertigt hat. „CARe 500“ heißt das Modell, das von einem Fiat 500 adaptiert ist. Auch die Firma besitzt ein paar Elektro- Dienstwagen. Und in Kürze wird die mk-Group im Billstedt-Center eine sogenannte „diskriminierungsfreie Ladestation“ in Betrieb nehmen. Das heißt übersetzt: eine Strom-Tankstelle für Autos.

Der Visionär, so viel lässt sich zudem sagen, ist ein klassisch hanseatischer Kaufmann. Das „Geschäftsklima, geprägt von einem respektvollen und vertrauensvollen Umgang der Kaufleute miteinander“, hat ihn vor neun Jahren „neben der weltoffenen, liberalen und lebendigen Metropole“ hierher gelockt. Das einzige, was Martin Richard Kristek von den hiesigen Unternehmern unterscheidet: Er ist Österreicher. Und die nehmen anders als viele zurückhaltende Hanseaten auch gerne Ehrentitel an. Vor zwei Jahren wurde der zertifizierte Sachverständige für Energiewesen zum „Senator“ ernannt – wegen seiner Verdienste um die europäische Wirtschaft, denn er berät auch Regierungen vor allem in Osteuropa. 2011 erhielt er den „Europäischen Stern 1. Klasse in Gold“. Und schon 2003 wurde er zum Assoziierten Professor gekürt. Da war er erst 31 Jahre alt, doch in Kristeks Leben geht vieles sehr schnell. Schon als 18-Jähriger gründete der Sohn eines Unternehmers seine erste eigene Firma. Bis heute gab es keinen jüngeren Inhaber eines Betriebes in seinem Heimatland.

In noch einem Punkt ist Martin Richard Kristek ein positives Beispiel: Er besitzt eine soziale Ader. Etwa eine Million Menschen haben in Deutschland Schwierigkeiten, ihre Strom- oder Gasrechnungen zu bezahlen, bei manch einem gibt es dann kein Licht oder keine Heizung mehr. Als erster Energieversorger bietet Care Energy deshalb einen Sozialtarif. Beispiel: Hat etwa ein Haushalt nur ein Monatseinkommen von 800 Euro, braucht dieser nur analog zum Prozentsatz, den ein Arbeitnehmerhaushalt bezahlt, einen Anteil von zehn Prozent, also 80 Euro zu zahlen. Natürlich, sagt auch der Unternehmer Kristek, seien Wachstum und Profit wichtig, „aber sie müssen sozial- und umweltverträglich, also nachhaltig erwirtschaftet werden“. ähnlich sieht er den Umgang mit seinen Mitarbeitern. Er achtet besonders darauf, dass ein gutes Betriebsklima herrscht und die Kollegen gern für die Firma arbeiten. Kristeks Philosophie ist nachvollziehbar: „Wer mit Sorgen oder schlechter Laune zur Arbeit geht, ist demotiviert und macht mehr Fehler.“

Was derzeit noch fehlt, ist ein neuer Firmensitz, der dem Wachstum der Gesellschaft entspricht. Selbstverständlich soll das Haus alles bieten, was ein modernes, energieeffizientes Bauwerk ausmacht. Also: Es wird eine eigenständige Versorgung unabhängig von anderen Netzen erhalten. „Nur wenn wir das selber leben, können wir unsere Position glaubhaft vertreten“, sagt Martin Richard Kristek, der beim Suchen nach dem Domizil hohe Maßstäbe anlegen will. Sein neuer Mitarbeiter März, früher stellvertretender Geschäftsführer des Industrieverbandes Hamburg, fügt noch an: Care Energy wolle zwar etwas verkaufen, halte seine Kunden aber in den Beratungen über individuelle Lösungen grundsätzlich zum Sparen an. „Das“, sagt der Betriebswirtschaftler Marc März, „finde ich total faszinierend.“

Text: Jörg Marwedel     Foto: Martina van Kann

Jörg Marwedel ist Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Hamburg. Früher war er Chefreporter der Welt am Sonntag in Hamburg und Autor bei dpa.

 

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