ANDREAS BARTMANN kennt den Handel in Hamburg wie kein anderer. Er ist Geschäftsführer von Globetrotter, Präsident des Handelsverband Nord. Ein Gespräch über die Grenzen des Wachstums, Ladensterben und neue Chancen.
Herr Bartmann, Sie hatten im September 46. Globetrotter-Jubiläum. Was ist Ihr Resümee?
ANDREAS BARTMANN: Dankbarkeit, dass ich mein Hobby, die Liebe zur Natur, zum Beruf machen und als Gründer so lange in einem Unternehmen arbeiten konn-te. Das ist nicht selbstverständlich.
Die Handelswelt hat sich gravierend verändert. Wie schätzen Sie die Lage ein?
BARTMANN: Natürlich nehmen wir die allgemeine Verunsicherung wahr. Und natürlich sehen wir, dass die Sparquote überdurchschnittlich hoch ist, und dass es auch hier in Hamburg ein leises Ladensterben gibt. Einer der Gründe: Es fehlt der Nachwuchs, der noch so arbeiten will, wie es die Generationen zuvor gelernt haben. Dazu die finanziellen Belastungen, das Risiko. Ich kann verstehen, dass die Jungen davor zurückschrecken. Aber diesen Herausforderungen müssen wir uns stellen.
Ist der Handel dafür modern genug aufgestellt?
BARTMANN: Der Mix ist da. Stationärer und Online- Handel gehen Hand in Hand. Die Goldgräberzeit des Internethandels ist vorbei. Ich sehe mehr eine Seitwärts-, denn eine Vorwärtsbewegung. Wir buhlen alle um den gleichen Topf. Aber der Konsument hat Prioritäten: Urlaub, ein neues Auto, Konsum, Gastro, Lebenshaltungskosten. Nur mit mehr Einkaufserlebnis ist das Problem nicht lösbar. Wir müssen wirtschaftlich anders denken.
Das heißt?
BARTMANN: Die Grenzen des Wachstums sind erreicht. Noch mehr Umsatz, noch eine Filiale, dafür sind die Margen zu klein. Es geht eher um Umverteilung. Und um neue neue Ressourcen. Aus ,Altem‘ wird bei Globetrotter beispielsweise hochwertiges Second Hand. Ressourcen schonen, recyceln und Retrading entsprechen dem gesellschaftlichen Anspruch auf Nachhaltigkeit. Eine großartige Entwicklung, die auch Chancen eröffnet.
Ist dennoch eine Verslumung der Innenstadt zu befürchten – so wie in einigen Städten in NRW zu sehen?
BARTMANN: Hamburg ist eine reiche Stadt, die auch in der Innenstadt Tendenzen zur Verarmung hat. Aber der geplante Umbau an vielen Stellen, wie beispielsweise dem Hauptbahnhof, wird positive Ergebnisse liefern.
Kann Politik helfen? Stichwort Rahmenbedingungen?
BARTMANN: Ich bin kein Freund davon, die Verantwortung auf andere abzuladen. Unternehmer sein, heißt auch, Probleme selbst lösen. Vielleicht müssen wir akzeptieren, dass Nahversorgung neu gedacht werden muss, dass man nicht länger krampfhaft an alten Strukturen festhalten kann.
Welche Rolle spielen Digitalisierung und KI?
BARTMANN: BARTMANN: Die Revolution ist schon im Gange. KI wird die Arbeit so nachhaltig verändern wie zuletzt das Internet. Aber statt zu jammern, sollten wir diese Veränderungen als Chance begreifen. Anders geht es nicht.
Was fordern Sie konkret?
BARTMANN: Handel hat ein riesiges Wertschöpfungspotenzial. Planungsszenarien können mit der Verarbeitung großer Datenmengen in die Zukunft verlegt werden. Welcher Kunde wann, was, wie kauft, lässt sich heute vorhersagen. Darüber sollten sich alle Player freuen.