Diese und fünf weitere Fragen zum Golf in Hamburg stellten wir DR. DOMINIKUS SCHMIDT, Geschäftsführer des Hamburger Golf Verbandes, und DIRK SCHIMMEL, Geschäftsführer der Marketingagentur Ethos.
Hamburg hat eine große Dichte an Plätzen, überdurchschnittlich viele Menschen spielen Golf. Ist Hamburg die Golf-Hauptstadt Deutschlands?
SCHMIDT: Ja, das sagen wir schon deshalb gern, um unsere Berliner Kollegen zu ärgern. Aber man kann es durchaus so sehen mit 60 Golfanlagen im Umkreis von einer Stunde und ungefähr 35 000 bis 40 000 aktiven Golfspielern. So gesehen ist Golf tatsächlich eine der Kernsportarten in Hamburg.
SCHIMMEL: Es gibt in Hamburg hervorragende Setups, um professionell Golf zu spielen: Falkenstein, Gut Kaden oder Green Eagle sind tolle Golfplätze. Wenn unsere Klienten wie Marcel Siem oder Freddy Schott „Off-Times“ haben, sind sie häufig in Hamburg, weil sie wissen, sie können hier unter Championship Bedingungen trainieren. Das ist meine Perspektive auf den lokalen Golfsport.
Wie wird die Entwicklung des Sports, auch für Jugendliche, in Hamburg gefördert?
SCHMIDT: Wenn man sieht, dass bei uns etwa zehn Prozent der Mitglieder in Golfclubs Jugendliche sind, ist Hamburg damit deutschlandweit einsame Spitze. Übrigens ist der Zuspruch zum Golf bei Jungen deutlich besser als bei Mädchen, und ich sage immer, das hat mit der Anzahl der Pferde in Hamburg zu tun. Wenn wir Sichtungen machen und die Mädchen fragen, was sie für Hobbys haben, dann sagen die meisten sofort: Pferde!
SCHIMMEL: Was ich allerdings in diesem Zusammenhang schade finde: Wenn man wie ich urban lebt, ich wohne in Uhlenhorst, dann gibt es vor allem für Kinder keine einzige Möglichkeit, eigenständig mit Bus und Bahn zum Golf-Jugendtraining zu kommen. Das ist ein großes Problem für die Entwicklung des Sports.
Die Golfanlage Green Eagle bei Winsen hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Ryder Cup nach Hamburg zu holen. Wie beurteilen Sie die Chancen?
SCHIMMEL: Für Hamburg wäre das herausragend, solch ein Ereignis würde unglaublich auf die Stadt abstrahlen. Aber Michael Blesch, der Besitzer von Green Eagle, kämpft leider mit ungleichen Waffen. Er hat ein überragendes Konzept, baut einen spektakulären Golfplatz und rechnet mit einer Besucher-Kapazität mit bis zu 100.000 Zuschauern pro Tag. Aber er hat es mit Ego-Shootern von Milliardären zu tun, die sich den Ryder-Cup einfach gönnen und für die 100 Millionen Euro Invest Spielgeld sind. Die Initiative bleibt aber ein toller Faktor für Hamburg.
SCHMIDT: Um den Ryder Cup zu bekommen, müsste der Sport in die Mitte der Gesellschaft rücken. American Football macht es vor: Wenn die NFL für ein Spiel nach Deutschland kommt, gibt es in den Wochen davor viele Aktionen in den Städten, in Schulen, überall. Das würde vor einem Ryder Cup in Deutschland auch so passieren, zumal es die Profitour vorgibt, wie mit dem Ryder Cup in der Öffentlichkeit umgegangen werden muss.
Wie groß ist die Bereitschaft der Hamburger Wirtschaft, die Golf-Entwicklung finanziell zu begleiten?
SCHIMMEL: Hamburg ist, was die Golfunterstützer angeht, superschwach. In München gibt es mit der Allianz und BMW große Förderer, im Südwesten ist SAP ein starker Partner. In Hamburg dagegen gibt es meines Wissens nach keine Firma, die mehr als 50.000 Euro in den Golfsport investiert.
SCHMIDT: Da bin ich bei dir. Bei Firmen wie Airbus, Beiersdorf oder Otto brauchen wir mit Golf gar nicht anzuklopfen. Das Phänomen ist allerdings nicht golfspezifisch. Mit Ausnahme von Fußball ist Hamburg für Sportsponsoring ein extrem schwieriges Pflaster. Selbst für eine Olympiabewerbung ist es sehr schwer, Sponsoren für solch ein Weltereignis zu finden. Und Mäzene, die so sportbegeistert sind, gibt es in Hamburg leider anscheinend nicht.
Was muss passieren, um dem Golfsport in der Öffentlichkeit zu mehr Strahlkraft zu verhelfen?
SCHIMMEL: Wir brauchen anfassbare Heroes. Leute, die auch mal mit der Bild am Sonntag eine coole Story machen, in der Breite gefragt sind oder in eine RTL-Show gehen wie der Basketballspieler Dennis Schröder. Das zweite ist: Eine Sportart wie Basketball hat sich weiterentwickelt. Es gibt 3×3-Basketball, in jeder City hängen Ballkörbe, und man kann rausgehen und zocken, Golf dagegen ist leider noch nicht in der Mitte der Gesellschaft und deshalb nicht im „Relevant Set“ der Leute.
SCHMIDT: Wenn wir über Bernhard Langer, Martin Kaymer oder Marcel Siem sprechen, also die Weltstars, die wir im Golf hatten oder haben, müssen wir uns fragen: Wie präsent sind die in Deutschland? Eigentlich gar nicht. Wenn wir dagegen internationale Stars nehmen, was die in ihren Ländern alles machen, um ihren Sport nach vorn zu bringen, dann stellt man fest: Die sind einfach immer da.
Wie häufig kommen Sie selbst dazu, auf dem Platz eine Runde Golf zu spielen?
SCHMIDT: Es gibt eine Gruppe von Golf spielenden Journalisten, bei denen ich dieses Jahr eigentlich mitspielen wollte. Eigentlich. Denn ich habe es kein einziges Mal geschafft. Ich komme leider nicht so oft zum Golf spielen, wie ich gern würde.
SCHIMMEL: Ich spiele vor oder nach der Arbeit häufiger mal eine Runde auf der Wendlohe oder auf Green Eagle. Bei uns Zuhause ist es so, dass ich, wenn es ums Golftraining geht, die Kinder dorthin begleite. Ich nutze dann die Gelegenheit, selbst zu trainieren.