Sobald es um große Bauvorhaben geht, kommt JENS GUNNAR JEPSEN ins Spiel. Der Hamburg-Chef des Generalplaners Inros Lackner und sein Team haben schon viele wichtige Projekte ermöglicht. Ein neuer Partner bringt jetzt noch mehr Power.

Für Touristen ist der Blick ein beliebtes Fotomotiv. Durch die mächtigen Stahlträger der Oberhafenbrücke hindurch strahlt auf der anderen Seite des Ericusgrabens das helle Gebäude des Spiegel-Verlages. Dass der Bau der dänischen Stararchitekten Henning Larsen Architects vor 15 Jahren an dieser Stelle überhaupt möglich war, „hat auch ein bisschen mit uns zu tun“, sagt Jens Gunnar Jepsen. Der Hamburg-Chef des Generalplanungsbüros Inros Lackner SE deutet auf das Mauerwerk unter dem Spiegelhaus: „Wir haben mitgeholfen, dass auf der Ericusspitze überhaupt ein solches Gebäude stehen kann.“ Das war, wie Fachleute wissen, eine technische Meisterleistung. „Und darauf“, sagt Jepsen, „sind wir schon etwas stolz.“ Der Treffpunkt auf der Brücke war also nicht zufällig gewählt; mit einem Blick sozusagen sind nun alle mittendrin im Thema.

Die Ericusspitze ist nicht der einzige Ort, zu dem Jepsen einiges erzählen kann. Inros Lackner – der Name setzt sich zusammen aus den beiden Gründungsfirmen „Ingenieurbüro in Rostock“ und Prof. Dr. Lackner & Partner – gehört mit deutschlandweit rund tausend Mitarbeitern zu den großen Generalplanern, und ist immer dann zur Stelle, wenn es um die Planung und Steuerungvon umfassenden Projekten geht. In Hamburg sind das neben der Ericusspitze etwa die Docklands in der Hafen-City, das Richtfeuer an der Elbe, die Altmannbrücke und die Berlinertordammbrücke. Auch bei der Planung für den Ausbau des Baakenhöfts, der Fläche für die neue Oper, war Inros Lackner beteiligt.

Dabei sind die Grenzen keineswegs eng gesteckt. Egal, ob national oder international, alles dreht sich um anspruchsvolle Planung, vor allem von Großprojekten. Die Ausführung übernehmen Baufirmen, deren Realisierung in Bezug auf Qualität, Termine und Kosten gesichert wird. Das Spannende ist: Wer plant, gestaltet Zukunft. „Es gibt so viele Bereiche, die sich herausfordernd verändern“, sagt Jepsen. „Die Mobilität durch autonomes Fahren, der Klimawandel mit Auswirkungen auf den Hochwasserschutz oder die Ressourcen schonende Energiesicherung.“ Für alles braucht es innovative Ideen. Jepsen: „Unse besondere Kompetenz ist, dass wir unseren Kunden nahezu alle Planungsbestandteile anbieten können.“

Er selbst ist seit 2018 bei Inros Lackner SE. Nach Studium, ersten Berufsjahren bei der Baufirma Bilfinger und 15 Jahren in einem Architekturund Ingenieurbüro, hatte er sich um die Jahrtausendwende als beratender Ingenieur selbstständig gemacht. Schon damals betreute er mit seinen Mitarbeitern immer wieder auch Projekte in der HafenCity, was Inros Lackner auffiel. So kam man irgendwann zusammen. Zunächst als Leiter des Fachbereichs Wasserbau, stieg Jepsen vor zweieinhalb Jahren zum Chef der rund 50 Hamburger Kollegen auf.

Jepsen ist Ingenieur mit Herz und Seele. Neben dem Wasserbau begeistert ihn vor allem der Brückenbau. Er sei, sagt er, ein „Brückenmann“. Denn angefangen hat er mit der Konstruktion von Viadukten und Bahnbrücken. Und noch heute ist es so: Wenn andere im Urlaub Museen oder Strände besuchen, guckt sich Jepsen die Brücken der Umgebung an; gern Meisterwerke wie die Brooklyn Bridge in New York oder das Viaduc de Millau, die höchste Autobahnbrücke Frankreichs. Auch die Köhlbrandbrücke gehört zu seinen Top Spots. „Als junger Mann bin ich da drüber gelaufen“, sagt Jepsen; auch das hat ihn geprägt.

Allerdings: Projektbezogene Ingenieurarbeit gehört heute kaum noch zu seinen Aufgaben; das bringt der Job als Chef mit sich. Seit Jahresbeginn hat er darüber hinaus noch eine zusätzliche Aufgabe. Inros Lackner SE hat sich als Hauptgesellschafter bei der pbr mit 200 Mitarbeitern deutschlandweit und 55 in Hamburg engagiert. Das Knifflige ist: In Hamburg liegen die Dependancen beider Firmen nah beieinander. Und jetzt ist es an den Chefs, Jepsen und seinem pbr-Kollegen Alexander Maul, aus zwei eins zu machen. Gleichwohl will Jepsen seinen Job an der Spitze im kommenden Jahr abgeben; sein Nachfolger steht schon bereit. Dann kann er kürzertreten, häufiger mit dem Camper durch Europa reisen oder Rennrad fahren. Dass sein Leben künftig nur aus Freizeit besteht, über diese Brücke will der Ingenieur allerdings noch nicht gehen. „Es gibt eine Menge interessanter Bereiche in unserer Firma, in denen man sich einbringen kann“, sagt er. So könne er sich vorstellen, sein Know-how in der firmeneigenen Akademie weiterzugeben. „Denn Wissen und Erfahrung“, sagt Jepsen, „sind tragende Säulen unseres Unternehmens. Das darf nicht verschwinden.“

Und die Erfahrung eines Mannes mit fast 40 Jahren Erfahrung als Ingenieur schon mal gar nicht!

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Text: Andreas Eckhoff FOTO: FABIJAN VUKSICc