„Ich mag es gern, wenn Dinge eine Delle oder einen Makel haben, weil man daran das Leben sieht.“
Sie ist Liedermacherin, Sängerin und Pianistin. Anna Depenbusch, 48, wollte schon als kleines Mädchen nur eins – Musik machen. In diesem Jahr verlor sie ihr Zuhause und das eigene Auf- nahmestudio durch einen Brand. Dennoch ist die Hamburgerin voller Pläne für die Zukunft.
Bis zum Jahresende liegt bei mir einiges an. Ich spiele gemeinsam mit dem Hamburger Kaiser Quartett sechs Konzerte in ganz unterschiedli- chen Locations. Es ist ein tolles Streichquartett. Was ich an den vier Streichern so besonders fin- de ist, dass sie, obwohl sie einen klassischen Background haben, richtig Popmusik spielen können und dabei grooven wie Hölle. Bei der Tour gibt es eine Premiere für mich: Es geht zum ersten Mal nach Wien, in das „Theater Akzent“. Darauf freue ich mich sehr.
Wir haben zudem gerade eine neue Single mit dem Titel „Kintsugi“ in Arbeit. Das kommt aus dem Japanischen und bedeutet „Goldenes Zu- sammensetzen“. Es ist eine Kunst, bei der Kera- mikteile wieder zusammengesetzt und die „Nar- ben“ mit Gold bedeckt werden. Ich mag das im übertragenen Sinne. Es gibt halt immer Situati- onen, wo etwas kaputtgeht und diese Sachen muss man selber innerlich reparieren. Ich mag es, wenn Dinge eine Delle oder einen Makel ha- ben, weil man daran das Leben sieht.
Nach der Tour werde ich mir eine Pause gön- nen. Das Jahr war einfach anstrengend, deshalb möchte ich ein bisschen Reisen, vielleicht nach Paris, um ein paar schöne Sachen zu erleben. Im nächsten Jahr werde ich mich dann an die Pro- duktion meiner neuen CD machen. Gleich zum Start des Jahres, am 2. Januar, spiele ich beim Neujahrsempfang des St. Pauli Theaters in der Elbphilharmonie. Ich war schon einige Male da- bei und mit Leuten wie Stefan Gwildis, Tim Fi- scher, Gustav Peter Wöhler und Salut Salon zu spielen, macht einfach riesigen Spaß.
Eine ganz besonders spannende Sache plane ich fürs nächste Jahr: Ich stehe total auf Natur- wissenschaften – Mathematik, Physik. Und ich habe ein Faible für Astrophysik. Ich habe auch schon häufig das DESY besucht, weil mich die Forschung dort sehr interessiert. Ich bin dann wie ein kleines Kind, sauge alles in mich auf und staune darüber, was dort entwickelt wird. Jetzt möchte ich mir den Teilchenbeschleuniger LHC im schweizerischen Cern ansehen und erleben, was dort für Experimente laufen. Bin gespannt.
FOTO: FABIJAN VUKSIC